ZDF-Dokumentation enthüllt Wahrheit über Pornobranche

Kein Wirtschaftszweig erfährt seit einigen Jahren ein solch starkes und stetiges Wachstum wie die Erotik-Industrie. Der Grund dafür ist klar: Das Internet, in dem Erwachsenen-Inhalte frei und kostenlos verfügbar sind. Den einen mag dieser Trend gefallen, die anderen bekommen die fatalen Folgen des Porno-Booms auf schmerzliche Weise zu spüren. Die ZDF-Dokumentation „Milliardengeschäft Porno – Gefahr aus dem Internet“ berichtet über die Licht- und Schattenseiten einer Branche, in der es nicht nur Gewinner gibt.

Im Video: Milliardengeschäft Porno – Geschäft oder Ausbeute, Lust oder Last?

Therapeutin schlägt Alarm: Pornos führen zu mehr Gewalt

Wer kennt sie nicht: Michaela Schaffrath und Dolly Buster, die deutschen Pornoikonen der 90er-Jahre. In auf Hochglanz polierten Erotikfilmen mischten die beiden vollbusigen Blondinen die Pornobranche damals ordentlich auf – und wurden dabei so ganz nebenbei für ihre erotischen Leistungen vor der Kamera fürstlich entlohnt. Doch all das gehört der grauen Vorzeit an.
Die aufwendigen und teuren Porno-Machwerke sind inzwischen von billigen Amateur-Produktionen abgelöst worden. Heutzutage kann jeder kostenlos von zu Hause aus eigene Erotik-Clips drehen und im Internet anbieten. Hintergründe und Gefahren der aktuellen Entwicklungen in der Pornobranche zeigt die neue ZDF-Dokumentation „Milliardengeschäft Porno – Gefahr aus dem Internet“.

Um einen möglichst umfassenden Blick auf die Industrie zu liefern und das Thema von allen Seiten zu beleuchten, hat man im Rahmen der Reportage mit Therapeuten, Wissenschaftlern, Darstellern, Aussteigern und auch Konsumenten gesprochen. Vor allem die befragten Therapeuten äußern ihre Besorgnis über den zunehmenden Pornokonsum – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Tabea Freitag, Psychologin von „return – Fachstelle Mediensucht“ in Hannover, erklärt, dass Pornografie ähnlich wie Sex zur Ausschüttung von Endorphinen führe. Es entsteht ein Glücksgefühl, dass der Konsument wieder und wieder erleben möchte – ein gefährlicher Kreislauf.

Woher diese Gefahr rührt, verrät Freitag ebenfalls:“Pornokonsum fördert sexuelle Gewalt.“ Damit ist die Psychologin tagtäglich konfrontiert. Denn sie behandelt Pornosüchtige, die oft depressiv oder sogar suizidgefährdet sind. Viele ihrer Patienten sind minderjährig, die vor sexuellen Übergriffen gegenüber Gleichaltrigen nicht zurückschrecken.

Hardcore-Pornos sind trotz Verbot frei verfügbar

Da nach Schätzungen mehr als drei Viertel der unter 18-jährigen bereits mit Pornografie aus dem Internet in Berührung gekommen sind, kommen die Schilderungen von Freitag wenig überraschend. Zumal viele Erotik-Inhalte im Netz kostenlos angeboten werden und frei zugänglich sind – ungeachtet des deutschen Gesetzes. Schließlich ist die Verbreitung von Pornografie an Kinder und Jugendliche nach §184 StGB verboten.

Aber wieso können sich in Deutschland Minderjährige trotzdem ohne Probleme Hardcore-Clips im Internet anschauen? Ganz einfach: Weil fast alle Inhalte auf Servern im Ausland liegen, wo der Jugendschutz deutlich lockerer ist. Zudem sind die Gratis-Pornos auf den Sex-Tube-Seiten für jeden frei zugänglich.

Zwar wird seit Jahren auf politischer Ebene in verschiedenen Ausschüssen an einer Durchsetzung des Pornos-Verbots gearbeitet, indem man die Seitentreiber dazu verpflichtet, Filter für Deutschland einzubauen. Bisher konnte jedoch keine Einigung erzielt werden, wie solche Pläne genau umzusetzen sind.

Am Ende steht die Pornosucht

Einen Erfahrungsbericht, wie sich eine Pornosucht genau äußert, gibt in der ZDF-Dokumentation der 21-jährige Rocco. Der Student erzählt, wie er im Alter von 11 das erste mal zu einem Porno masturbiert hat. Für ihn nahm damit eine gefährliche Spirale immer härterer Sexfilme ihren Anfang, der er so schnell nicht entkommen konnte. Als er mit 13 sein erstes eigenes Mobiltelefon geschenkt bekam, wurde seine Sucht dann sogar noch schlimmer. „Es gab Tage, da habe ich täglich rund drei Stunden mit Masturbation verbrachtet„, verrät er.

Und Rocco ist definitiv kein Einzelfall. So wie ihm geht es deutschlandweit vielen Menschen. Rund 500.000 pornosüchtige in Deutschland sprechen eine klare Sprache. Jede Altersgruppe ist betroffen. Die Anfälligkeit bei Kindern und Jugendlichen ist jedoch besonders hoch. Zudem leiden in absoluten Zahlen mehr Männer als Frauen unter Pornosucht. Das liegt allerdings auch daran, dass rund 80 Prozent der Pornokonsumenten hierzulande männlich sind.

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Vom passiven Zuschauer zum Darsteller dank Userdreh

Die ZDF-Doku nimmt jedoch nicht nur die Konsumenten in den Blick, sondern auch die Darsteller und die Industrie, die dahinter steht. Wie ist es also als Darsteller im Milliardengeschäft Porno zu arbeiten? Die Amateurdarstellerin Mara ist ob der hohen Verdienstmöglichkeiten und flexiblen Arbeitszeiten auch nach 5 Jahren im Business immer noch begeistert. Da sie sich mit ihren Nutzern für einen Userdreh treffen kann, sieht sie eine ganz besondere Nähe zwischen sich und ihren Fans, die für alle Seiten von Vorteil ist. Sie kann einen neuen Erotik-Clip produzieren und ihre User können kostenlos Sex mit einem echten Pornostar haben.

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Ähnlich angetan von der Pornobranche präsentiert sich Fiona Fuchs. Die 21-jährige steigt gerade erst ins Amateurporno-Business ein und möchte sich mit den eigenen Erotik-Clips ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften finanzieren. Nachteile für ihren beruflichen Werdegang nach dem Studium, etwa wenn sie sich irgendwo außerhalb der Pornobranche für einen Job bewerben möchte, sieht sie dadurch nicht.

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Ex-Pornostar vergleicht Pornobranche mit Zwangsprostitution

Dass das Leben als Pornodarstellerin oft nicht so rosarot ist, wie von Fiona Fuchs angenommen, wissen einige Aussteigerinnen zu berichten. Ein ehemaliger deutscher Pornostar, der unerkannt bleiben möchte und deren Name für die Doku in Nora geändert wurde, erzählt von Schlägen bis hin zu Vergewaltigungen. Sie vergleicht die Pornobranche mit Zwangsprostitution.

Ähnliche Erfahrungen schildert Jan Villarubia, die einst in den USA als Pornodarstellerin erfolgreich war. Sie habe sich ständig den neuesten Trends anpassen müssen, was für sie bedeutete, immer härtere Szenen zu drehen. Erst hatte sie nur mit einem Mann vor der Kamera Sex, dann waren es schon zwei oder Mann und Frau, bis sie irgendwann mit bis zu 25 Männern gleichzeitig Sex haben musste. Mittlerweile hat Villarubia den Ausstieg geschafft und hilft anderen Frauen dabei, ebenfalls vom Porno-Business loszukommen.

Sexualforscher bestätigten die Aussagen von Nora und Villarubia. Jakob Pankötter kritisiert etwa den Tabubruch, der Pornodarstellerinnen immer mehr abverlangt und die Sex-Szenen immer extremer werden lässt. Pornos hätten daher auch ziemlich wenig mit echter Sexualität zu tun. Viel eher zeigen Pornos eine Parallelwelt, die deutlich mehr Schein als Sein ist und sich mit dem Hang zur Gewaltverherrlichung schädlich auf die Gesellschaft auswirken kann.

Fazit: Pornobranche gefährlich für alle

Laut der Doku „Milliardengeschäft Porno – Gefahr aus dem Internet“ ist die Pornobranche sowohl für Konsumenten als auch für Darsteller gefährlich. Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, kann das Video noch bis zum 13. April 2020 in der ZDF-Mediathek anschauen.