Studie: So weit verbreitet sind Pornos unter Jugendlichen

Pornografie ist heutzutage allgegenwärtig – vor allem im Internet. Kein Wunder also, dass auch viele Jugendliche online bereits mit explizitem Material in Berührung gekommen sind. Dies fanden deutsche Forscher in einer aktuellen Studie heraus.

Mehr als drei Viertel der Jugendlichen war bereits auf Pornoseiten unterwegs

(Fast) alle tun es, kaum einer spricht darüber: Pornos schauen. Und die Pornokonsumenten werden immer jünger. So zeigt eine repräsentative Studie unter der Leitung von Neil Thurman, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), dass auch bereits viele Jugendliche unter 18 Jahren im Internet Sexvideos schauen.

Für die Studie wurden 1.000 britische Jugendliche befragt. Dennoch soll sie laut der Forscher auch in Deutschland für den Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörden in Bezug auf den Pornokonsum von unter 18-Jährigen relevant sein.

Ergebnis der Studie: Ganze 78 Prozent der 16- und 17-jährigen sind im Netz bereits auf pornografische Inhalte gestoßen – der Großteil davon ist männlich. Im Schnitt war es zum Zeitpunkt der Umfrage gerade einmal sechs Tage her, dass die Teilnehmer auf Pornoseiten unterwegs waren. Viele Probanden gaben sogar an, noch am selben Tag der Befragung eine Website mit expliziten Inhalten besucht zu haben.

Durchschnittlich verbringen Jugendliche im Monate zwei Stunden auf einschlägigen kommerziellen Seiten dieser Art.

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Pornos werden hauptsächlich mobil geschaut

Auch nach dem Gerät, über das sie Pornoseiten besuchen, wurden die Jugendlichen gefragt. Wenig überraschend zeigt sich, dass der stationäre Desktop-PC meist nicht mehr das technische Gerät der Wahl ist, um Pornos zu schauen. Stattdessen wird explizites Material in erster Linie über das Smartphone oder Tablet, also mobil, konsumiert.

Außerdem interessant: Jugendliche nutzen nicht nur Suchmaschinen oder eine direkte Domain-Eingabe, um Pornos zu finden. Auch auf Social-Media-Portalen suchen Jugendliche nach erotischen Bildern und Videos.

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Behörden wollen Online-Pornografie strenger regulieren

In Großbritannien, Frankreich, Kanada und auch in Deutschland ist den Behörden das rasant steigende Angebot von Online-Pornos schon länger ein Dorn im Auge – konkret die fehlende Altersprüfung der Nutzer. Anbieter sollen daher zu Maßnahmen verpflichtet werden, die vor dem Öffnen der Seite das Alter abfragen, damit Jugendliche nicht mehr ohne weiteres das sich eigentlich nur an Erwachsene richtende Angebot nutzen können.

Aber wie nützlich wäre eine solche Altersprüfung tatsächlich? Da laut der Umfrage viele Jugendliche per VPNs oder Tor-Browser im Internet ihre Identität verschleiern, darf bezweifelt werden, dass diese Maßnahme ihren gewünschten Zweck erzielen würde.

Neil Thurmann schlägt deshalb vor, dass neben länderspezifischen Maßnahmen international Druck auf die global operierenden Porno-Unternehmen ausgeübt wird, jeden Markt einzeln zu regulieren. So könnte man Minderjährige besser vor erotischen Inhalten im Netz schützen.

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