Nach Sperrung: Entwickler von Deviance-App kritisieren Google

Die BDSM-App Deviance war nur wenige Monate im Google Play Store verfügbar, bis sie vor kurzem gesperrt wurde. Angeblich wegen eines Verstoßes gegen die Richtlinien bezüglich sexueller Inhalte. In einem offenen Brief üben die App-Entwickler nun massive Kritik.

BDSM-App Deviance nach Zulassung doch wieder gesperrt

Die Erleichterung bei den Entwicklern war groß, als ihre gemeinsam mit der Community entwickelte App Deviance, über die BDSM- und Fetisch-Anhänger Gleichgesinnte kennenlernen können, Ende Dezember vergangenen Jahres nach mehreren Versuchen endlich für den Play Store von Google zugelassen wurde. Seit Februar lief die Testphase.

Doch vor kurzem dann der Schock! Deviance wurde gesperrt – laut Google wegen eines Verstoßes gegen die Richtlinien bezüglich Sexual Content and Profanity. Worauf man sich dabei konkret bezieht, also was man der App konkret vorwirft, sagt Google indes nicht.

Endgültige Sperrung trotz Löschung aller Bilder

deviance-BildSeit Anfang Mai 2021 ist Deviance nun nicht mehr im Google Play Store erhältlich. Wobei dieser endgültigen Entfernung aus dem Angebot genaugenommen noch eine weitere Sperrung zwei Wochen zuvor vorausging. Angeprangert wurde damals das Bild, mit dem die App im Store angezeigt wurde. Google bewertete dieses als unzulässig und „sexually gratifying“ (etwa: sexuell anstößig).

Wie die Deviance-Entwickler nun in einem offenen Brief an Google schreiben, sei die Begründung für die Sperrung aus ihrer Sicht jedoch vollkommen unverständlich. Schließlich sei die App zusammen mit dem angeblich anstößigen Bild, ein unverfängliches BDSM-typisches Motiv mit Leder und Peitsche, zunächst zugelassen gewesen und habe sogar die Testphase überstanden. Warum dieses dann plötzlich der Grund für eine vorläufige Sperrung sein soll, obwohl man es schon den gesamten Zeitraum als Hintergrundbild verwendet hat, ist somit fraglich.

Für noch mehr Unverständnis sorgte dann jedoch die endgültige Sperrung wenig später, nachdem man Google eigentlich extrem entgegengekommen war und das angeprangerte Bild entfernt sowie alle andere Bilder durch Federnmotive ersetzt hatte.

Laut der Deviance-Entwickler habe man nun weder Zugriff auf das Produkt noch könne man ein neues Konto erstellen.

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Deviance-Entwickler werfen Google Inkonsequenz vor

Die Entwicklungszeit von Deviance betrug rund 1,5 Jahre, was die Sperrung umso ärgerlicher macht. Zwar habe man laut der Entwickler auch einige iOS-Nutzer, die die App dementsprechend über den App Store von Apple beziehen können, allerdings machen mit 65 Prozent den Löwenanteil die Android-Nutzer aus. Logisch, dass es wenig Sinn ergeben würde, die App weiterzuführen, wenn diese für viele Community-Mitglieder gar nicht nutzbar ist.

Durch den offenen Brief erhofft man sich nun ein Einlenken seitens Google – und schildert in diesem ganz klar den eigenen Standpunkt und warum man die Deviance-Sperrung als Willkür ansieht.

Warum Willkür? Zum einen, weil die nachträgliche Sperre höchst inkonsequent gewesen sei. Und zum anderen, weil in Anbetracht der „Sexual Content & Profanity Policy“ andere Play-Store-Einträge unter Keywords wie „Sex“ oder „BDSM“ zeigen, dass scheinbar ein hohes Maß an Interpretation, was zugelassen wird und was nicht, vorhanden ist.

Laut der Entwickler werde im Play Store beispielsweise gegen das Verbot von öffentlich nicht akzeptabler Kleidung, zu knapper Kleidung und sexuell zu aufreizenden Posen verstoßen. Außerdem werden auf den Bildern von einigen Apps Fetische dargestellt und es gebe jede Menge Ü18-Keywords in den Store-Listings.

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Kein gutes Zeichen für BDSM-Community

Was bei den Deviance-Entwicklern für besonders viel Kritik sorgt, ist die Tatsache, dass man schon einige Schritte auf Google zugegangen ist. Man hat die App angepasst, damit man mit den Richtlinien des Play Store konform geht und keine Jugendgefährdung besteht. Und trotzdem kam es ohne Vorwarnung zur Löschung der App, während andere „Schrott-Apps“, durch die beispielsweise Frauen objektifiziert werden, weiterhin angeboten werden dürfen.

Vor allem sehen die Entwickler darin auch einen Rückschritt in der gesellschaftlichen Anerkennung der BDSM-Community. Trotz zunehmender Aufklärung herrsche in Teilen nämlich immer noch ein Klima der Stigmatisierung und Diskriminierung ihrer Anhänger. Und mit Deviance wollte man eigentlich einen Raum geschaffen haben, in dem sich Gleichgesinnte mit BDSM-Vorliebe kennenlernen und diese einvernehmlich und gesund ausleben können.

Von Google erhofft man sich nun zumindest eine Antwort auf die Frage, warum die App im Play Store gesperrt wurde – selbst wenn die Sperrung nicht mehr aufgehoben wird.

Zur Beruhigung aller Community-Mitglieder betonen die Entwickler, dass sie, sollte eine Rückkehr von Deviance in den Play Store nicht mehr möglich sein, einen Plan B in der Hinterhand haben. Wie der lautet, verraten sie allerdings noch nicht.

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